Velours-Auskleidung 6" Skywatcher Newton F/5

Um aus meinem 150/750 mm Skywatcher Newton das Maximum an Abbildungsqualität an meinem Streulicht-belasteten Standort herauszuholen habe ich mich dazu entschlossen, den Teleskop-Tubus mit schwarzer Veloursfolie auszukleiden. Durch das sogenannte "Schwärzen" des Tubus wird Streulicht besser absorbiert, was zu einer Kontraststeigerung führt. Nach einiger Recherche in diversen Foren und Internetseiten habe ich mich schließlich während einer längeren Schlechtwetterphase an mein "Velours-Projekt" gewagt.

Meine Vorgehensweise und die einzelnen Schritte habe ich in Form dieser Anleitung dokumentiert:


Vorher

Nachher



Vorweg: Was ich dazu gebraucht habe

Bevor man loslegt, sollte man sich schon mal alles was man an Werkzeug und Hilfsmitteln braucht, bereit legen.  In meinem Fall waren dies:

  • Maßband, Lineal, Bleistift, Papier
  • Cutter-Messer, Schere, Nagelschere
  • Leiste zum Schneiden + Schneidunterlage (Karton)
  • Kreuzschraubenzieher, Zange
  • Schwarzer Edding-Stift
  • etwas Malerkrepp
  • Taschenlampe
  • ausreichend Veloursfolie

 



Schritt 1: Markierungen anbringen

Vor dem Zerlegen habe ich am Teleskop Markierungen angebracht, die mir später den Zusammenbau erleichtern sollen. Z.b. habe ich die Stellung des vorderen Tubusringes und der Spiegelzelle am Tubusende gekennzeichnet, oder die in Richtung OAZ zeigende Fangspiegel-Strebe. Da ich keine bleibenden Markierungen am Teleskop haben wollte, habe ich diese auf leicht ablösbarem Malerkrepp angezeichnet.



Schritt 2: Teleskop-Demontage

Zuerst  habe ich alle äußeren Anbauten (Guiding-Scope, Sucher, Sucherschuh) vom Tubus abmontiert. Dafür habe ich den Tubus noch auf der Montierung belassen.

 

Für die weiteren Schritte habe ich den Tubus dann waagrecht auf einen Tisch gelegt. Damit er nicht wegrollt, habe ich zwei Pölster untergelegt.

 

Dann geht es ans "Eingemachte":

1. Zuerst habe ich die Spiegelzelle mit dem Hauptspiegel ausgebaut. Vorsichtig rausnehmen und am besten an einem sicheren Ort zwischenlagern!

2. Dann habe ich den Okularauszug abgeschraubt.

3. Zuletzt kommt die Fangspiegel-Spinne mitsamt Fangspiegel raus.

Achtung: unbedingt zuerst den vorderen Tubusring abnehmen, da sonst die Fangspiegelkonstruktion nicht durch die Öffnung passt!

 

Am Ende liegt der "nackte" Tubus am Tisch und wartet auf sein neues Kleid.



Schritt 3: Veloursfolie zuschneiden & entfusseln

Die Veloursfolie habe ich mir vom Astro-Shop meines Vertrauens besorgt. Es handelt sich um eine "d-c-fix"- Folie mit einer Rollenbreite von 45 cm. Die benötigte Menge an Folie kann man sich anhand des Durchmessers und Länge des Tubus ausrechnen.

Ich habe mir daraus 3 Bahnen zugeschnitten, mit einer Breite von je ca. 22 cm und einer Länge von 58 cm (Innenumfang + 2 cm zum Überlappen).

 

Wichtig!

Vor dem Einkleben in den Tubus habe ich die Folie gründlich mit einer Handbürste abgebürstet und anschließend mit einem Fusselroller so lange bearbeitet, bis sich kaum noch Häärchen gelöst haben. Schließlich will ich die Häärchen später nicht auf dem Hauptspiegel haben.  



Schritt 4: Velours-Bahnen kleben

Nun geht es darum, die selbstklebende Folie sauber und ohne Lufteinschlüsse in den Tubus einzubringen. Ich beginne dabei am unteren Tubusende (also dort wo der Hauptspiegel sitzt).

 

Erste Bahn kleben:

Dazu rolle ich das erste Stück Folie mit der Veloursseite nach innen ein. Zuerst ziehe ich die Trägerfolie nur ein kleines Stück ab. Die schmale Seite der Bahn richte ich entlang der Tubus-Falzkante exakt in Längsrichtung (also quer zur Öffnung) aus und drücke die Folie an.

 

Achtung: Ich beginne mit der Folie 1 cm vom Rand, da soweit die Hauptspiegel-Halterung hineinragt und an der Tubuswand anliegt.

 

Nun drehe ich den Tubus, bis sich der Falz oben (also auf 12 Uhr) befindet und die Folie von selbst nach unten hängt. Jetzt löse ich mit einer Hand nach und nach die Trägerfolie ab und streiche gleichzeitig mit der anderen Hand die Verloursfolie an der Tubuswand glatt.

 

Ich war überrascht, wie gut sich die Folie auf diese Weise verarbeiten lässt.

 

Falls notwendig, kann man die Folie aber auch ein bis zweimal ohne Probleme wieder lösen.

 

Am Ende überlappt die Folie wie gewünscht ca. 2-3 cm.



Zweite Bahn kleben:

Die zweite Bahn richte ich wieder am Tubusfalz aus und lasse sie dabei ca. 2 cm über die erste Bahn überlappen. 

Dann verarbeite ich die Folie so wie bereits beschrieben.

 

Tipp: Damit ich sehe, ob die Folie auch gut anliegt, habe ich den Tubus vom anderen Ende mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet. 


Dritte Bahn kleben

Die dritte Bahn geht mir dann schon richtig schnell von der Hand. 

Achtung: Auch hier lasse ich 1 cm Rand für den vorderen Tubusring frei.



Schritt 5: Öffnungen ausschneiden

Die abgeklebte Öffnung für den Okularauszug schneide ich mit einer Nagelschere wieder frei. 

Die Löcher für die Schrauben kann man gut von innen mit einer spitzen Schraube durchstoßen. 



Schritt 6: OAZ Auskleiden

Da ich nun schon mal den Okularauszug vor mir liegen habe, kleide ich diesen ebenfalls mit einem passenden Stück Veloursfolie aus. 

Vorher habe ich noch ausgemessen, wie weit der Komakorrektor in den OAZ hineinragt und die Folie nur bis dahin geklebt (ca. 6 cm).



Schritt 7: Fangspiegelkante schwärzen

Vor dem Zusammenbau habe ich dann noch die Kanten des Fangspiegels mit einem schwarzen Edding-Stift angemalt. Kann ja nicht schaden.



Schritt 8: Zusammenbau

Nachdem ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, muss jetzt alles wieder rein, was vorher raus musste. Dabei gehe ich wie folgt vor:

1. Okularauszug wieder einsetzten

2. Sucherschuh für den Sucher montieren

Achtung: das mache ich, bevor ich den FS wieder einsetzte, da ich die Gegenplatte des Sucherschuhes auch noch mit einem passenden Stück Velours abklebe

3. Fangspiegel einbauen

4. Spiegelzelle mit dem Hauptspiegel wieder einsetzten

 

 

 

 

 

Voila - Fertig!

 

Innen ist der Tubus jetzt schwarz wie die Nacht!

 



Schritt 9: Neu-Justage

Da der Newton ja komplett zerlegt wurde, ist es nötig, dass ich ihn von Grund auf neu justiere. Seufz!

 

Im Netz finden sich dankenswerter Weise jede Menge Anleitungen dazu, sodass ich hier nicht näher darauf eingehen werden.


Fertig!